Yannick Berner - Ihr Aargauer Grossrat

Erfolgreiche Generationenwechsel - Gedanken zum Nationalfeiertag

(Villnachern)

Geschätzte Damen und Herren
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Ich freue mich sehr heute Abend hier zu sein und möchte mich ganz herzlich für die Einladung und die Gastfreundschaft bedanken! Dass wir heute hier gemeinsam den Geburtstag der Schweiz feiern können, verdanken wir dem hiesigen Turnverein und ihren vielen Helferinnen und Helfern.

Es ist auch der Turnverein Villnachern, der mich sehr spontan und unkompliziert anfangs dieser Woche via Social Media angefragt hat. Es ist auch genau diese unkomplizierte Anfrage, die mich besonders freut und warum ich sehr gerne dem Vereinspräsidenten Patrick Rey zugesagt habe. Und schon sind wir beim Thema der heutigen Rede: dem Generationenwechsel in verschiedensten Facetten unserer Gesellschaft und dem grossen freiwilligen Engagement in unserem Milizsystem.

Die heutige Jugend, oder auch „Generation Z“ genannt, wird häufig als faul bezeichnet, ohne Anspruch auf zusätzliche Aufgaben für die Allgemeinheit zu übernehmen.

Die Mitglieder und der junge siebenköpfige Vorstand des Turnvereins Villnachern beweisen aber gerade das Gegenteil. Sie haben uns mit dem Organisieren der diesjährigen Bundesfeier nämlich gezeigt, dass auch junge Menschen gewillt sind, Verantwortung zu übernehmen.

Ihr Engagement für das Dorfleben und die Gemeinschaft ist typisch schweizerisch.

Die Schweiz ist nämlich ein Land der Vereine mit über 100 000 davon. Alleine hier in Villnachern sind 26 aktive Vereine in den Bereichen Sport, Kultur und Gesellschaft heimisch. Angefangen bei den aktiven Frauen Villnachern, über die Feuerwehr, Kirchengemeinden, die Musikgesellschaft, bis zum Volleyballclub.

Vereine sind wertvolle Partner der Gemeinden und übernehmen wichtige Aufgaben für das Gemeinwohl. Getragen werden die Vereine von unzähligen Freiwilligen – viele werden mit Sicherheit auch am heutigen Abend hier sein. Freiwillige, die in ihrer Freizeit in Vorstandsämtli und Leitungsfunktionen unentgeltlich arbeiten und damit einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Diese Freiwilligenarbeit, Tätigkeiten im Neben- oder Ehrenamt sind ein altbewährtes Organisationsprinzip der Schweiz. Unser Milizsystem – ursprünglich ein Begriff aus der Armee – ist unser Fundament und verdeutlicht vor allem auch unsere demokratische Identität. Darauf dürfen wir am Geburtstag der Schweiz zurecht stolz sein.

In vielen Vereinen, Verbänden und auch Unternehmen ist zurzeit ein Generationenwechsel angesagt. Die Babyboomer-Generation geht in Pension. Nicht immer ist es einfach, den Nachwuchs zu motivieren oder Mut und Vertrauen zu haben, jungen Menschen Verantwortung zu übergeben. Es braucht von den Älteren auch Toleranz, dass vielleicht am Anfang nicht immer alles derart perfekt ist wie vorher oder eben einfach anders.

Wie oft zähle ich selbst mit bald 30 Jahren immer wieder zu den Jüngsten, so ist es in der Politik, so ist es im Geschäft, und auch kürzlich bei der Wahl in den Vorstand des Aargauer Kunstvereins oder in den nationalen Vorstand von Swissmem. In all diesen Gremien bin ich der Jüngste, und das obwohl die Unter-30-Jährigen einen Drittel der Schweizer Bevölkerung ausmachen. Das macht mir Sorgen.

Besonders bei der politischen Stimmbeteiligung ist dieser Altersunterschied auffällig: Gerade Mal ein Drittel aller 18- bis 30-Jährigen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger gehen wählen und abstimmen. Bei den Seniorinnen und Senioren ist die Stimmbeteiligung doppelt so hoch! Aber wieso genau beteiligen sich die Jungen nicht? Wieso nehmen 70 Prozent der Jungen das grosse Privileg, das wir in der Schweiz Demokratie haben, nicht wahr und lassen über sich bestimmen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich diesen Sommer damit verbracht, Junge Menschen im Aargau zu befragen.

Ihre Antworten sprechen eine klare Sprache: Nebst dem politischen Desinteresse liegt es am Zugang, und es liegt an der Kommunikation und Vermittlung der Inhalte. Das müssen wir ändern.

Meine Damen und Herren, es ist unserer Verantwortung, den Nachwuchs zu motivieren, sich aktiv in unserer Gesellschaft und der Politik wie auch in Vereinen, Verbänden und Unternehmen einzubringen.

Und mit der Wahl der richtigen Kommunikationskanäle erreichen wir auch die Jungen, wie die Anfrage für die heutige Bundesfeier an mich via Social Media bestätigt.

Einen Generationenwechsel erlebe ich täglich auch auf beruflicher Ebene. Und zwar in unserem 60-jährigen Familienunternehmen, der URMA AG mit Hauptsitz in Rupperswil. Vor etwa vier Jahren haben meine Schwester und ich die ersten Aufgaben übernommen. Inzwischen sind wir Mitglieder der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates. Gleichzeitig sind wir je für einen Geschäftsbereich verantwortlich. Dieser Monat ist auch mein Zwillingsbruder dazugestossen.

Weil wir drei Geschwister alle relativ jung sind, sind wir dankbar über die Unterstützung unseres Vaters, der auch nach der Erreichung des Pensionsalters als erfahrener Chef uns weiterhin tatkräftig mit seinem Wissen unterstützt. Beide Generationen können gemeinsam voneinander profitieren und den grösstmöglichen Mehrwert für unsere Firma, unser Mitarbeitende und den Werkplatz Schweiz beitragen.

Ich bin überzeugt davon, dass KMUs – so wie unser Familienunternehmen – ein wesentlicher Teil der Schweiz sind. Die Schweiz ist auch ein Land von den KMUs. Und sie sind auch deshalb das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, weil sie auch einen grossen Teil der Verantwortung für die Region tragen. Hier in Villnachern ist das Gewerbe stark verankert und sorgt für Arbeitsplätze und Dienstleistungen vor Ort.

Der heutige Tag ist ein guter Anlass, um zu reflektieren, was wir in der Schweiz – trotz zwei Jahren Pandemie und der aktuellen angespannten geopolitischen Situation in Europa - zusätzlich zum Milizsystem alles richtig gemacht haben und gut machen. Ein wichtiger Faktor ist die Schweizer Wirtschaftspolitik. Auch wenn die Schweiz in der Vergangenheit nicht von falschen Entscheiden bewahrt blieb, so waren sie weniger gravierend wie im benachbarten Ausland. Einmal mehr ist es uns gelungen, eine auf Stabilität ausgerichtete Politik zu verfolgen.

Nicht zuletzt geht der Erfolg der Schweiz aber auch auf zahlreiche Innovationen zurück, die aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken sind: Reiss- und Klettverschlüsse, Sparschäler, Instant-Kaffeepulver, Zuckerwürfel aus Rupperswil, Ricola-«Täfeli», Frischhaltefolie, Maggi-Gewürz, aber auch Doodle für Terminumfragen. Das sind alles Innovationen, die in der Schweiz erfunden wurden.

Unsere Innovationsstärke ist für uns DER Wirtschaftsmotor schlechthin. Innovationen haben unsere Gesellschaft und unser Land immer vorangebracht. Eine gute Mischung zwischen stabiler Wirtschaftspolitik und Erfindergeist hat der Schweiz den heutigen Wohlstand beschert.

Liebe Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, Sie haben sicher etwas Verständnis, dass ich meine Rede als Politiker nicht ohne politische Aktualität abschliesse. Wir stehen nämlich vor einer wichtigen Abstimmung im Herbst: Ich habe am Anfang meiner Rede schon vom Generationenwechsel und der Babyboomer Generation gesprochen.

Die Abstimmung steht ganz im Zeichen des Generationenvertrages. Sie ahnen es. Es geht um die Reform unserer Altersvorsorge. Gemäss Prognosen des Bundes, wird die AHV schon in den nächsten Jahren zu wenig einnehmen, um die Renten finanzieren zu können. Meine Generation kann sich momentan nicht darauf verlassen, mit 65 eine sichere Rente zu erhalten.

Die Reform „AHV21“ soll die Einnahmen der AHV strukturell sichern. Denn: die Altersvorsorge ist wie unser Milizsystem und unsere Innovationskraft typisch schweizerisch und eine wichtige Errungenschaft, die es zu erhalten gilt.

Und übrigens, liebe junge Anwesende, dieses Mal wäre es gut, wenn ihr euer Stimmrecht wahrnimmt. Weil: die AHV ist ein Thema, das uns alle einmal betreffen wird und darum für alle Generationen wichtig ist. Ich zähle auf euch!

So, und jetzt wollen wir aber den Geburtstag unserer Schweiz feiern. Ich freue mich, mit Ihnen anzustossen und Sie liebe Villnacherinnen und Villnacher kennen zu lernen. Vielen Dank für die Einladung und Merci fürs Zuelose.

Hast Du Fragen an mich? Ich freue mich auf deine Kontaktaufnahme!